China: Schnellste Eisenbahnstrecke der Welt geht in Betrieb

12. Feb 2010

München, 12. Februar 2010 – Die erste große Hochgeschwindigkeitsstrecke im Herzen Chinas hat überpünktlich ihren Betrieb aufgenommen und wird seit Ende Dezember 2009 befahren. Maßgeblich an der Realisierung des Großprojekts beteiligt war die deutsche Balfour Beatty Rail GmbH, bereits seit über 20 Jahren ein enger und geschätzter Partner der Chinesischen Eisenbahn, wenn es um Bahninfrastrukturlösungen geht.
Die 968 Kilometer lange, zweigleisige Strecke führt von Wuhan nach Guangzhou und verkürzt die Fahrzeit von 10 auf nur drei Stunden. Sie ist das Herzstück der neuen Hochgeschwindigkeitsachse Peking – Shenzhen (Hongkong), der wichtigsten Nord-Südverbindung Chinas. Mit einer Konstruktionsgeschwindigkeit von 350km/h und einer Reisegeschwindigkeit von ca. 320km/h setzt die Trasse Maßstäbe als aktuell schnellste Eisenbahnverbindung der Welt. Die Inbetriebnahme konnte aufgrund erfolgreicher Tests mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 394 km/h um einen Monat vorgezogen werden.

Bahninfrastruktur ‚Made in Germany‘ für Chinas Hochgeschwindigkeitsprojekt

Als ausländischer Partner des chinesischen Ministeriums für Eisenbahnwesen übernahm der Geschäftsbereich International der Balfour Beatty Rail Deutschland die Systemverantwortung für die Oberleitung der Strecke Wuhan – Guangzhou. Balfour Beatty Rail entwickelte das Basis-Design der Oberleitung, lieferte 80 Prozent der Kettenwerkskomponenten und steuerte die Ausführungsplanung mit den chinesischen Designinstituten. Das Unternehmen trainierte zudem die chinesischen Baueinheiten und verantwortete mit bis zu 20 eigenen Mitarbeitern vor Ort die Installation und Abnahme der Oberleitung. Gleichzeitig hat sich Balfour Beatty Rail verpflichtet, die lokale Produktion von Oberleitungsbauteilen über das neugründete Joint Venture in China, Baoji Bao De Li Electrification Ltd., voranzutreiben.

Der 2007 erteilte Auftrag wurde in einem extrem knappen Terminplan realisiert. Maßstäbe setzte dabei auch das von Balfour Beatty Rail entwickelte, neue Oberleitungssystem, das in dieser Form weltweit erstmalig zum Einsatz kam. Das Oberleitungskonzept wurde auf Basis der Erfahrungen der Bahninfrastruktur-Profis mit dem Bau der Oberleitungen Re 330 auf der Strecke Nürnberg – Ingolstadt und EAC350 auf der Strecke Madrid – Lérida entwickelt.
Professor Zimmert, Project Leader der Wuhan-Guangzhou Passenger Dedicated Line Electrification erklärt: „Ein Oberleitungssystem für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke ist eine anspruchsvolle Herausforderung auch für versierte Bahningenieure, weil enorme Zugkräfte im Fahrdraht und Tragseil (30kN/21kN) wirken. Unsere Ingenieure setzten hochfeste Fahrdrähte (Querschnitt 150 mm²) ein und mussten sehr kurze Abstände zwischen Mast und Gleis (MVK-Maß – 3 m) realisieren. Umso mehr freuen wir uns, dass wir den engen Terminplan nicht nur eingehalten sondern sogar unterschritten haben.“

Mit eigenen Simulationsprogrammen überprüfte und optimierte Balfour Beatty Rail die dynamischen Eigenschaften des Oberleitungskonzeptes hinsichtlich der hohen Geschwindigkeiten. Die starken Kräfte in der Oberleitung erforderten die Modifizierung und intensive Erprobung aller Bauteile, denn bei Balfour Beatty Rail genießt die Qualitätssicherung oberste Priorität. Die Messtechnik für die Testfahrten einem speziell ausgerüsteten Regeltriebzug CRH2-061 wurde ebenfalls von Balfour Beatty Rail geliefert und basiert auf der Technik der Deutschen Bahn. Damit garantieren bewährte deutsche Standards die Güte der Oberleitung.
Auch in puncto Gefährdungsvermeidung setzte Balfour Beatty Rail auf eigene Prinzipien und sorgte mit seinem Programm Zero Harm für die Sicherheit aller am Projekt Beteiligten. Keine kleine Aufgabe, wie Professor Zimmert versichert: „Insgesamt waren gemeinsam mit unseren Montage-Supervisoren rund 4.500 chinesische Mitarbeiter für den Bau der Oberleitung im Einsatz!“